Die Kommission untersuchte vier zentrale Themenfelder: Sicherheit im digitalen Raum, gesundheitliche und psychische Auswirkungen der Mediennutzung, Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz sowie die Stärkung der Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen, Eltern und Fachkräften. Auf dieser Grundlage sowie unter Einbeziehung der Perspektiven von Kindern und Jugendlichen, der Ergebnisse der Expertenanhörungen, der Beobachter*innen aus Bund und Ländern und des Prozesses der strategischen Vorausschau entstanden die 56 Handlungsempfehlungen.
Im Mittelpunkt der Handlungsempfehlungen steht der Gedanke, dass Schutz, Befähigung und Teilhabe zusammengehören. Kinder und Jugendliche sollen sicher aufwachsen und vor Gefährdungen geschützt werden, gleichzeitig aber auch lernen, sich selbstbestimmt in der digitalen Welt zu bewegen und ihre Rechte wahrzunehmen. Dabei berücksichtigt die Kommission, dass sich die Bedürfnisse und Gefährdungen je nach Alter und Entwicklungsphase unterscheiden. Entsprechend sollen Schutzmaßnahmen stärker an den verschiedenen Lebensphasen ausgerichtet werden.
Die Empfehlungen nehmen dabei unterschiedliche Akteure in den Blick. So sollen Familien frühzeitig Unterstützung und Beratung erhalten, Schulen benötigen verlässliche Konzepte für präventive Medienbildung und für Jugendliche sollen sichere digitale Angebote sowie leicht erreichbare Hilfe bereitgestellt werden. Die Anbieter*innen digitaler Plattformen sieht die Kommission in der Pflicht. Durch sichere Voreinstellungen, altersgerechte Angebote und funktionierende Melde- und Hilfesysteme sollen Risiken von vornherein begrenzt werden.
Auf Grundlage eines breit angelegten, wissenschaftsbasierten Arbeits- und Beteiligungsprozesses, bezog die Kommission Fachpersonen aus unterschiedlichen Disziplinen, Vertreter*innen der Zivilgesellschaft sowie junge Menschen selbst mit ein. In sechs Expert*innenanhörungen wurden verschiedene Perspektiven zusammengeführt. Darüber hinaus beteiligten sich mehr als 100 Kinder und Jugendliche bundesweit an sieben Workshops. Auch Jugendliche aus dem klicksafe Youth Panel waren Anfang des Jahres zu einer Anhörung nach Berlin eingeladen und brachten dort ihre eigenen Erfahrungen und Forderungen ein.
Die Kommission betont dabei, dass Kinder- und Jugendschutz nicht an einer einzelnen Stelle funktionieren kann. Verantwortlichkeiten sollen verbindlicher und gemeinschaftlicher organisiert und Übergänge zwischen den beteiligten Akteur*innen besser gestaltet werden. Gleichzeitig müssen technologische Entwicklungen kontinuierlich berücksichtigt werden, damit Schutzkonzepte nicht hinter der digitalen Entwicklung zurückbleiben.
Mit der Übergabe des Abschlussberichts an Bundesfamilienministerin Karin Prien ist die Arbeit der im September 2025 eingesetzten Expertenkommission abgeschlossen. Nun soll die politische Umsetzung beginnen. In einer Fachveranstaltung zum Abschlussbericht kündigte Karin Prien an, dass noch bis Ende 2026 erste Sofortmaßnahmen aus den Empfehlungen politisch angegangen werden sollen. Welche der insgesamt 56 Empfehlungen wie und in welchem Zeitrahmen umgesetzt werden, ist bisher noch nicht bekannt.
Die ausführlichen Empfehlungen und die zugrunde liegenden Analysen sind im Abschlussbericht nachzulesen. Eine eigene, kindgerechte Fassung der Empfehlungen macht die Ergebnisse außerdem auch für Kinder und Jugendliche selbst zugänglich.
- Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Abschlussbericht Unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ - Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Kindgerechte Version des Abschlussberichts der Unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“
Auch Jugendliche brachten ihre Perspektiven ein
Wie erleben Kinder und Jugendliche die digitale Welt selbst, wo sehen sie Probleme und was wünschen sie sich von Politik, Plattformen und Erwachsenen? Mit diesen Fragen haben sich junge Menschen im Alter von 12 bis 18 Jahren in einem umfangreichen Beteiligungsprozess rund um die Empfehlungen der Expertenkommission auseinandergesetzt. In sieben Workshops brachten sie ihre eigenen Erfahrungen ein, diskutierten konkrete Situationen aus ihrem digitalen Alltag und entwickelten daraus insgesamt 70 Forderungen.
Die Themen waren vielfältig und reichten von Medienkompetenz und Kinder- und Jugendschutz über Wohlbefinden und mentale Gesundheit bis hin zu Künstlicher Intelligenz. Dabei wurde deutlich: Die Jugendlichen wünschen sich nicht weniger digitale Angebote. Sie wollen eine digitale Welt, in der sie sich sicher bewegen können und gleichzeitig selbstbestimmt bleiben.
Von den Plattformen erwarten sie unter anderem einen besseren Schutz vor Hass, Mobbing, Desinformationen und ungeeigneten Inhalten. Auch manipulative und suchtfördernde Mechanismen sehen sie kritisch. Gleichzeitig wünschen sie sich verständliche Informationen darüber, wie Algorithmen funktionieren, mehr Unterstützung bei Problemen und einen besseren Schutz ihrer persönlichen Daten. Im Bereich der Künstlichen Intelligenz geht es ihnen vor allem darum, Missbrauch und Manipulation zu verhindern und KI so einzusetzen, dass sie beispielsweise beim Lernen unterstützt, ohne das eigene Denken zu ersetzen.
Auffällig ist dabei der Wunsch nach einem ausgewogenen Verhältnis von Schutz und Selbstbestimmung. Pauschale Verbote sehen die Jugendlichen nicht als Lösung. Sie wollen ernst genommen und in Entscheidungen einbezogen werden, die ihre digitale Lebenswelt betreffen. Auch die Erwachsenen stehen dabei in der Verantwortung: Kinder und Jugendliche wünschen sich kompetente Ansprechpartner*innen, die ihre digitale Lebenswelt kennen und verstehen.
Der Beteiligungsprozess soll dabei nicht mit der Veröffentlichung des Berichts enden. Die Expertenkommission empfiehlt, die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen im digitalen Kinder- und Jugendschutz dauerhaft weiterzuführen. Die Perspektiven junger Menschen sollen also auch künftig in die Entwicklung von Maßnahmen und Empfehlungen einfließen.
Die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses und die insgesamt 70 Forderungen sind jetzt in einem eigenen Bericht veröffentlicht. Wer genauer erfahren möchte, was Kinder und Jugendliche selbst zu ihrem digitalen Aufwachsen sagen und welche Veränderungen sie sich wünschen, findet dort ihre Perspektiven und Forderungen ausführlich dargestellt.
- Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Bericht zur Kinder- und Jugendbeteiligung für die Expertenkommission
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