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04.10.2022 | Medienregulierung

Information oder bezahlte politische Werbung? Auf die Kennzeichnung kommt es an

Transparenz-Check zur politischen Werbung wird in neuem Online-Forschungsportal „Fakten + Impulse“ der Medienanstalten präsentiert

Transparenz-Check zur politischen Werbung wird in neuem Online-Forschungsportal „Fakten + Impulse“ der Medienanstalten präsentiert

Bezahlte politische Werbung im Netz wird häufig nicht als solche erkannt. Die Befunde des heute vorgestellten Transparenz-Checks zur politischen Werbung der Medienanstalten zeigen, dass die gesetzlichen Kennzeichnungs- und journalistische Sorgfaltspflichten für Online-Medien grundsätzlich wirken. Allerdings greifen sie vor allem dann, wenn Mediennutzerinnen und -nutzer über solides Medienwissen verfügen.

„Je transparenter Mediennutzerinnen und -nutzer sich zur Meinungsbildung im Netz orientieren können, desto geringer wird das Potenzial der Irreführung. Forschungsergebnisse wie aus dem Transparenz-Check sind neben den vielfältigen Aktivitäten der Landesmedienanstalten in der Medienkompetenz-Vermittlung wichtig, damit ein freier Meinungsbildungsprozess in unserer Demokratie sichergestellt werden kann“, erläutert Dr. Eva Flecken, Mitglied des Fachausschusses Regulierung und Direktorin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg die Forschungsergebnisse.

Im Transparenz-Check zur politischen Werbung wurde empirisch ermittelt, inwieweit Kennzeichnungen Nutzerinnen und Nutzer dabei unterstützen, Medieninhalte einzuordnen. Zudem geben die Ergebnisse Aufschluss über die Kenntnisse und Fähigkeiten der Nutzerinnen und Nutzer im Umgang mit journalistischen Inhalten, Plattformen und Intermediären.

Die Forschungsergebnisse zum Transparenz-Check zur politischen Werbung werden im neuen Online-Forschungsportal „Fakten + Impulse“ präsentiert. „Wir gehen hier einen ganz neuen Weg, Forschungsergebnisse zu vermitteln. Mit vielen interaktiven Elementen werden die wichtigsten Fakten unserer Studien pointiert dargestellt. Gleichzeitig liefern wir Impulse für die medienpolitischen Debatten“, ergänzt Professor Christian Krebs, Koordinator des Fachausschusses Regulierung und Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM).

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

  • Bezahlte politische Werbung wird von vielen Nutzerinnen und Nutzern trotz einer Kennzeichnung nicht als Werbung erkannt. Fast die Hälfte der Befragten ordnete solche Anzeigen anders ein (bspw. als journalistische Information) oder konnte keine Zuordnung vornehmen.
  • Wenn die Werbung als solche erkannt wird, liegt es aber meist an der Kennzeichnung: Mit 75 Prozent war der Hinweis „gesponsert von“ das mit Abstand am häufigsten genannte Kriterium für die Zuordnung als Werbung.
  • Viele Nutzerinnen und Nutzer orientieren sich in erster Linie am Inhalt, wenn sie die Art eines Posts und die kommunikativen Absichten des Absenders/der Absenderin bewerten.
  • Personen mit geringem Medienwissen haben die größten Schwierigkeiten, insbesondere bezahlte politische Posts als Werbung zu erkennen.

Über den Transparenz-Check
Für bezahlte politische Online-Werbung gibt es gesetzliche Vorgaben. Der Medienstaatsvertrag der Länder regelt seit November 2020 entsprechende Kennzeichnungspflichten. Mit der Studie Transparenz-Check wurde geprüft, ob Nutzerinnen und Nutzer von Sozialen Medien bezahlte Anzeigen als Werbung identifizieren und welche Bedeutung hier gängige Kennzeichnungen auf populären Plattformen haben. Die bevölkerungsrepräsentative Online-Befragung wurde vom Markt-forschungsinstitut GIM im Auftrag der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) durchgeführt.

Der Transparenz-Check zur politischen Werbung steht auf der Webseite der Medienanstalten bereit: https://faktenimpulse.de/2022/07/13/ergebnisse-kompakt-transparenz-check-zur-politischen-werbung/

Über Fakten + Impulse
Die Medienanstalten präsentieren in ihrem neuen Forschungsportal Ergebnisse verschiedener empirischer Untersuchungen. Es handelt sich dabei um eine eigene Website. Neben pointierten Artikeln und Debattenbeiträgen interner und externer Autorinnen und Autoren wird auch eine Fülle an Datenmaterial bereitgestellt. Anhand von interaktiven Grafiken werden die Ergebnisse der Studien anschaulich und gleichzeitig in ihrer Tiefe aufbereitet und vermittelt. Im Selbsttest „Wo stehst du?“ ist es für die Nutzerinnen und Nutzer möglich, Teile der Befragungen selbst zu beantworten und die eigenen Antworten in Bezug auf die Studiendaten einzuordnen.

Das Forschungsportal der Medienanstalten ist über diese URL erreichbar: https://faktenimpulse.de/

 


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[kommunikation]@medienanstalt-rlp.de


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