Sie wollte ihm keine Fotos mehr schicken. Aber im Chat drohte er, ihre Bilder an ihre gesamten Kontakte zu senden. Solche Erpressungsmethoden mit intimen Aufnahmen, auch Sextortion genannt, und andere Formen der bildbasierten, sexualisierten Gewalt erleben viele Kinder und Jugendliche in Deutschland immer häufiger.
Das „Bundeslagebild Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen 2025“ zeigt einen deutlichen Anstieg digitaler sexualister Gewalt gegen Kinder. Rund 5.000 Fälle waren im vergangenen Jahr der Kategorie „Sexueller Missbrauch von Kindern – Einwirken auf Kinder ohne Körperkontakt“ zuzuordnen. Kinder wurden beispielsweise durch Chatnachrichten dazu gebracht, sexuelle Aufnahmen von sich zu machen oder im Livestream sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen. Die Täter*innen agieren in kinder- und jugendaffinen Online-Diensten wie Social Media, Messenger und Gaming-Plattformen. So erreichen sie Kinder und Jugendliche auf direktem Weg, ohne dass ihr Umfeld davon erfährt. Das Dunkelfeld der sexualisierten Delikte ist jedoch wesentlich größer, als es die konkreten Zahlen offenbaren, da viele Übergriffe von den Kindern und Jugendlichen nicht als solche erkannt, normalisiert oder nicht gemeldet werden.
Die JIMplus Studie 2026 zeigt, ungewollte Nacktbilder, wie beispielsweise „Dickpics”, gehören zu den am stärksten wahrgenommenen Belastungen im Netz. Sie werden von 72 % der befragten Jugendlichen als „sehr belastend“ oder „belastend“ empfunden.
Hinschauen, handeln und Betroffene stärken
Ein sicherer digitaler Raum entsteht nur, wenn Kompetenzen gestärkt, Grenzen respektiert, Übergriffe verfolgt und Schutzmaßnahmen konsequent umgesetzt werden. Hier sind Politik, Gesetzgeber, Schulen und die Plattformen in der Pflicht, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Für ein sicheres Internet fordert klicksafe:
- Aufklärung und Prävention stärken: Kinder, Jugendliche und Erwachsene müssen flächendeckend über sexualisierte Gewalt im Netz, digitale Grenzen und ihre Rechte informiert werden.
- Betroffene unterstützen: Wer von digitalen Übergriffen berichtet, braucht fachkundige Unterstützung statt Schuldzuweisungen. Die Verantwortung liegt bei den Personen, die Gewalt ausüben.
- Plattformen in die Pflicht nehmen: Meldewege müssen leicht zugänglich sein. Rechtswidrige Inhalte müssen konsequent gelöscht und Betroffene wirksam geschützt werden.
- Zivilcourage fördern: Wer sexualisierte Gewalt beobachtet, sollte Betroffene unterstützen, problematische Inhalte melden und deren weitere Verbreitung vermeiden.
- Schutz und Beratung ausbauen: Betroffene brauchen niedrigschwellige, vertrauliche Anlaufstellen sowie verlässliche Informationen über mögliche nächste Schritte.
Medienkompetenz fördern und junge Menschen schützen
Um sich souverän und kritisch mit dem Thema bildbasierte sexualisierte Gewalt auseinanderzusetzen, wird die bundesweite Medienkompetenz-Initiative klicksafe rund um den Safer Internet Day aktuelle medienpädagogische Materialien für pädagogische Fachkräfte, Eltern und Jugendliche sowie eine klicksafe Schulstunde zum Thema „Mein Bild. Deine Grenze. Stopp sexualisierte Gewalt im Netz“ anbieten. Damit soll ein Raum für die Auseinandersetzung auf verschiedenen Ebenen geschaffen werden.
Safer Internet Day & Monat im Februar: Jetzt Aktion anmelden und mitmachen!
Ob Schulen, Unternehmen, Behörden, Medienhäuser, Start-ups oder Vereine – alle, denen das Thema Online-Sicherheit und Medienkompetenz ein Anliegen ist, sind aufgefordert, sich aktiv mit eigenen Veranstaltungen, Aktionen und Projekten am Safer Internet Day und am Aktionsmonat Februar zu beteiligen, entweder zum aktuellen Schwerpunktthema oder mit ihren eigenen Themen für ein besseres Internet. Aktionen zum SID können ab sofort bei klicksafe angemeldet werden.