Am 17.09.2026 hat die bundesweite klicksafe Schulstunde zum Thema Cybermobbing stattgefunden, diesmal in Kooperation mit der Aktion Mensch und der Nummer gegen Kummer. Im Rahmen der Schulstunde wurden alle teilnehmenden Klassen dazu aufgerufen, sich an der Mitmach-Aktion „Eure Ideen für ein gutes Miteinander – keine Chance für Mobbing und Cybermobbing!“ zu beteiligen. Bis zum 01.10. konnten die Schüler*innen kreative Ideen, Aktionen oder auch bereits bestehende Projekte vorstellen, die für ein besseres Klassenklima sorgen und ein respektvolles Miteinander an Schulen stärken.
An der Mitmach-Aktion haben sich Kinder und Jugendliche der Klassenstufen 5 bis 10 aus ganz Deutschland und unterschiedlichen Schulformen beteiligt – darunter Förder-, Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien. Die Einreichungen wurden von einer inklusiven Jugendjury gesichtet, diskutiert und nach gemeinsam erarbeiteten Kriterien bewertet. Ziel war es, drei Gewinnerprojekte zu küren, die für ihr herausragendes Engagement Wertgutscheine im Gesamtwert von 1.200 € erhalten.
Gewonnen haben die folgenden Ideen für ein gutes Miteinander:
1. Platz: Pinnwand-Aktion „Gemeinsam sind wir stark!“ (9. Klasse, Förderschule)
Der erste Platz geht an eine Aktion des Werner-Richard-Berufskollegs in Wetter (Ruhr)-Volmarstein. Dort haben Schüler*innen einer 9. Klasse eine bereits existierende Pinnwand im zentralen Schulflur umgestaltet. Die Jugendlichen berichten davon, dass es an ihrer Schule bereits einige Fälle von gezielter Ausgrenzung gegeben hat. Ziel ihrer Aktion war es daher, andere Mitschüler*innen für das Thema zu sensibilisieren, über Strategien im Umgang mit Mobbing sowie passende Hilfs- und Beratungsangebote zu informieren. Die Pinnwand soll Betroffenen auch Mut machen („Mutmacher zum Mitnehmen“) und zeigen, dass sie mit dem Thema an ihrer Schule nicht allein gelassen werden. Bei der Erstellung arbeiteten die Schüler*innen mit verschiedenen Leitfragen: Was würde ich als betroffene Person in diesem Moment brauchen? Welche Informationen würden mir helfen? An wen würde ich mich wenden? Was würde mir Mut machen? Zusätzlich gab es die Idee eines Briefkastens, den Betroffene aber auch Außenstehende anonym nutzen können, um Mobbingfälle zu melden oder sich Hilfe zu holen. Geplant ist, die Pinnwand wie auch den Briefkasten langfristig in der Schule zu integrieren. Die Schüler*innen wünschen sich, dass sich künftig die gesamte Schule in die Fortentwicklung der Pinnwand sowie in weitere Ideen für Aktionen gegen Mobbing miteinbringt.
Das sagt die Jugendjury
Uns hat besonders gut gefallen, dass die Idee kostengünstig und daher für alle Schulen gut umsetzbar ist. Besonders clever fanden wir auch, dass vorhandene Ressourcen, wie die bereits bestehende Pinnwand, sinnvoll neu genutzt wurden. Zudem ist die Aktion sehr niedrigschwellig, da viele Personen an der Schule die Inhalte sehen und sich so darüber leicht informieren können. Die Schüler*innen haben auch viele gute Inhalte erarbeitet und auf der Pinnwand schön gestaltet. Zudem haben sie verschiedene Komponenten eingebaut. Es gab nicht nur Informationen zum Thema, sondern auch mutmachende Sprüche, einen Briefkasten für Betroffene und andere schöne Ideen.
2. Platz: Anti-Mobbing Club (6. Klasse, Gymnasium)
Der zweite Platz geht an die Idee einer 6. Klasse des Gymnasiums Bürgerwiese in Dresden. Dort haben die Schüler*innen ein Konzept für einen „Anti-Mobbing-Club“ entwickelt. Geplant ist, dass die Klasse einzelne Schüler*innen auswählt, die als Mitglieder des „Clubs“ anderen Mitschüler*innen als feste Ansprechpartner bei Problemen zur Seite stehen, zum Beispiel bei Mobbing oder Cybermobbing. Zu ihren Aufgaben zählt auch, darauf zu achten, dass alle die Klassenregeln einhalten, auch im Gruppenchat. Auch hier wird die Idee eines anonymen Briefkastens vorgestellt, der von Betroffenen sowie Außenstehenden genutzt werden kann, um Mobbingfälle zu melden. Der Briefkasten soll von den Mitgliedern betreut und die dort gemeldeten Fälle im Klassenrat besprochen werden, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Sollte ein Problem nicht behoben werden können oder von Dauer sein, wird die Klassenleitung eingeschaltet. Wenn der "Club" gut angenommen wird, planen die Schüler*innen das Konzept auch in anderen Klassen zu adaptieren. Die ersten Wahlen sollen noch in diesem Herbst stattfinden.
Das sagt die Jugendjury
Uns hat besonders der Peer-to-Peer-Ansatz gefallen. Wir finden es sehr gut, wenn die Schüler*innen lernen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Zudem hebt sich der Ansatz noch einmal von der Rolle eines*einer Klassensprecher*in ab, da sich hier eine ganze Gruppe mit den Themen befasst. Der Ansatz ist damit sehr partizipativ und verlangt von den Schüler*innen ein hohes Maß an Eigeninitiative. Das geht weit über „klassische“ Prävention hinaus. Der einzige Tipp: Wir würden einen anderen Namen empfehlen, da das Wort „Club“ nach einer exklusive Gemeinschaft klingt. Das passt nicht so gut zu einem Projekt gegen Ausgrenzung. Durch den Begriff „Anti-Mobbing“ wird zudem das negative Verhalten in den Mittelpunkt gerückt und das Thema stark eingegrenzt. Das Gremium könnte sich auch mit kleineren Konflikten, fehlendem Klassenzusammenhalt oder ähnlichen Themen beschäftigen.
3. Platz: Nachts im Netz - Kartenspiel gegen Cybermobbing (7. Klasse, Gesamtschule)
Der dritte Platz geht an die Idee einer 7. Klasse der Städtischen Gesamtschule Bocholt. Die Schüler*innen haben ein Kartenspiel mit dem Namen „Nachts im Netz“ entwickelt, das sich an das bekannte Gesellschaftsspiel „Werwolf“ anlehnt. Dort geht es im Kern um eine anonyme Gruppe von Täter*innen, die aus dem Verborgenen heraus gezielte Angriffe gegen Einzelne startet. Gleichzeitig versucht die Gemeinschaft, die Schuldigen durch Beobachten, Kommunikation und Zusammenhalt zu entlarven. Dieses Prinzip haben die Schüler*innen auf das Thema Cybermobbing übertragen: Das Kartenspiel soll auf spielerische Art die verschiedenen Rollen im Mobbinggeschehen vermitteln, Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und deutlich machen, dass sich die mobbende Person nur gemeinsam stoppen lässt.
Das sagt die Jugendjury
Das Kartenspiel ist sehr kreativ und gut ausgearbeitet. Uns gefällt besonders der spielerische Ansatz, bei dem alle mitmachen und mitdiskutieren können. Das Spiel muss auch nicht groß vorbereitet werden. Einfach ausdrucken und loslegen! Zwei Tipps von uns: Für Jüngere empfehlen wir eine vereinfachte Anleitung. Zudem sollten Lehrkräfte vorher genau prüfen, ob es in der Klasse Mobbingfälle gibt, um Betroffene nicht in eine schwierige Situation zu bringen. Die Teilnahme sollte freiwillig sein und das Spiel durch die Lehrkraft nachbesprochen werden.
Klicksafe gratuliert allen beteiligten Schüler*innen für ihre kreativen und herausragenden Beiträge. Ein Dank geht an Alle, die sich an der Aktion beteiligt und mit ihren Ideen ein starkes Zeichen gegen Mobbing und Cybermobbing gesetzt haben!
Jugendbeteiligung auch bei der Bewertung der eingereichten Beiträge
Das Besondere an der Mitmach-Aktion war die konsequente Jugendbeteiligung, auch in Form des Bewertungsgremiums. Die inklusive Jugendjury setzt sich aus den bereits existierenden Jugendbeteiligungsformaten aller drei Kooperationspartner zusammen. Teil der Jury sind Mitglieder des klicksafe Youth Panels. Das ist der bundes- und europaweit agierende Jugendbeirat von klicksafe. Ebenfalls vertreten sind Mitglieder des JAM!-Jugendbeirats. Das ist ein inklusives Format der Aktion Mensch für Jugendliche, das über die Servicestelle Jugendbeteiligung koordiniert wird. Seitens der Nummer gegen Kummer beteiligen sich Berater*innen des Peer-to-Peer-Angebots „Jugendliche beraten Jugendliche“ (JbJ). Das ist ein spezifisches Jugendformat der Organisation.
Ziel der Jury war es, aus allen Einreichungen drei Gewinnerprojekte auszuwählen. Die Bewertungskriterien für die Einreichungen wurden von den Jugendlichen der Jury bereits im Vorfeld eigenständig erarbeitet.
Weitere Best Practice Beispiele der Mitmach-Aktion
Neben den drei Gewinnern hob die Jugendjury unter den eingereichten Beiträgen auch noch sieben weitere Ideen hervor, die anderen Schulen bzw. Klassen ebenfalls als „Best Practice“-Beispiele dienen können:
- Ausstellung „Kunst gegen Mobbing“ (5. Klasse, UNESCO-Projektschule in Mayen): Mit ihrer Aktion „Kunst gegen Mobbing“ planen die Schüler*innen eine Ausstellung, bei der sich Klassen aus der gesamten Schulgemeinschaft mit Kunstwerken einbringen können. Ziel ist es, andere für das Thema zu sensibilisieren und Betroffenen Unterstützung und Mitgefühl entgegen zu bringen.
- Handysticker als Warnhinweise (10. Klasse, Elsa-Brändström-Gymnasium in Oberhausen): Die Medienscouts Jonah, Tabea und Lirona hatten die Idee, Sticker für die Smartphone-Hülle zu gestalten. Diese sollen, ähnlich wie die Warnhinweise auf Zigarettenschachteln, andere vor den Gefahren von Cybermobbing warnen.
- Anonyme Brieffreundschaften (7. Klasse, Elisabeth-Selbert-Gymnasium in Düsseldorf): Clara, Leona, Leonie und Marlene hatten die Idee einer anonymen Brieffreundschaft zwischen Mobbingopfern und Helfenden, da sich Betroffene oft alleine fühlen. Über die Schulsozialarbeit werden freiwillige Helfer*innen unter einem Pseudonym mit Betroffenen vernetzt, um ihnen Mut zu machen.
- Aktion „Mobbing? Nicht mit uns!“ (Medienscouts-AG, Realschule plus in Cochem): Die Schüler*innen haben an ihrer Schule ein riesiges Plakat aufgehängt, auf dem zahlreiche verletze Worte stehen. Diese wurden von Schüler*innen der Klassen 7 bis 10 mit bunten, namentlich unterschriebenen „Stopp“-Händen überklebt, um gemeinsam ein starkes Zeichen gegen Ausgrenzung zu setzen.
- Podcast zum Thema Cybermobbing (8. Klasse / Arizona, Montessorischule Erlangen): Lani und Paula haben eine Podcastfolge zum Thema Cybermobbing produziert, in der sie zwei fiktive Mobbing-Situationen beschreiben und analysieren (offline / online). Sie erklären die unterschiedlichen Rollen beim Mobbing, geben Tipps im Umgang mit Ausgrenzung, diskutieren die Vor- und Nachteile der Interventionsstrategien und geben Ratschläge zur Prävention.
- Video „Du musst nicht alles liken“ (7. Klasse, Detlefsen-Gymnasium in Glückstadt): Die Klasse dreht einen Kurzfilm, der einen realistischen Cybermobbingfall in der Klasse nachstellt. Ziel ist es, auf das Thema aufmerksam zu machen, den Fall auszuarbeiten und Lösungen für die Praxis aufzuzeigen.
- Projekt „Online-Wächter gegen Cybermobbing“ (Klassen 5 bis 10, Werner-Heisenberg-Gymnasium in Leipzig): Seit 2019 gibt es an der Schule das „Demokratie und Medienkompetenz Projekt“, das von Schüler*innen aller Jahrgangsstufen weitgehend selbst organisiert wird. Zentraler Baustein des Projekts sind die „Online-Wächter“, die Kinder an Schulen frühzeitig über Cybermobbing aufklären.
Vielen Dank an alle teilnehmenden Schulen und die engagierten Schüler*innen. Die eingereichten Beiträge zeigen, wie wichtig Kindern und Jugendlichen ein faires und wertschätzendes Miteinander ist und wie wertvoll es ist, sie aktiv in die Prävention von Mobbing und Cybermobbing einzubeziehen. Alle eingereichten Ideen sind kreativ, vielfältig und nah an ihrer Lebenswelt. Sie machen deutlich, wie junge Menschen andere für das Thema sensibilisieren, sich gegen Ausgrenzung engagieren und Betroffene unterstützen können.
Weitere Informationen und Statements finden sich in unserer Pressemitteilung vom 5. November 2026.