Welche Art von Spiel ist Grand Theft Auto?
1997 erschien das erste GTA-Spiel und legte den Grundstein für eine der erfolgreichsten Videospielserien überhaupt. Inzwischen wurden weltweit mehr als 470 Millionen Spiele der Reihe verkauft. Besonders erfolgreich war dabei der bisher letzte Teil der Reihe, GTA V, der für rund die Hälfte der verkauften Exemplare verantwortlich ist. Ein wichtiger Teil dieses Erfolgs ist auch der Online-Modus von GTA V, der seit Jahren regelmäßig um neue Inhalte erweitert wird und sich - nach wie vor - großer Beliebtheit erfreut.
Im Mittelpunkt der GTA-Spiele stehen meist Figuren, die in eine Welt aus Verbrechen, Gewalt und illegalen Geschäften verwickelt sind. Die Spieler*innen übernehmen dabei selbst die Rolle dieser Figuren und erledigen Missionen, bei denen sie unter anderem Überfälle planen, Autos stehlen oder Morde begehen. Ein wesentliches Merkmal von GTA ist die offene Spielwelt. Die großen Städte und ihr Umland lassen sich weitgehend frei erkunden. Neben den eigentlichen Missionen können Spieler*innen eine Vielzahl an Fahrzeugen nutzen, Minispiele ausprobieren oder einfach die Welt erkunden und selbst entscheiden, was sie dort tun möchten.
Dabei lässt GTA bewusst viel Freiheit zu. Wer möchte, kann beispielsweise Passant*innen überfahren, die Bewohner*innen der Stadt erschießen oder sich mit der Polizei Verfolgungsjagden liefern. Gerade diese Mischung aus einer großen offenen Welt und der Freiheit, dort alles Mögliche auszuprobieren und zu schauen, was passiert, ist ein wesentlicher Grund für die Beliebtheit.
GTA richtet sich dabei eindeutig an Erwachsene. Kriminalität und Gewalt sind Bestandteile der Handlung und prägen das gesamte Spielerlebnis. In den Missionen geht es unter anderem um Raubüberfälle, Schießereien und andere Straftaten. Die Spielfiguren haben Zugriff auf zahlreiche Waffen, die sich nicht nur gegen Gegner, sondern auch gegen andere Personen in der Spielwelt einsetzen lassen. Hinzu kommt eine häufig derbe Sprache und ein erwachsener Humor. Die Spiele greifen außerdem immer wieder Themen wie Drogen, Prostitution und Sexualität auf.
Die Spielwelt von GTA ist also kein neutraler oder gar kindgerechter „Spielplatz“, sondern geprägt von Gewalt, Kriminalität und anderen Inhalten für Erwachsene. Die meisten Hauptteile der Reihe wurden von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ab 18 Jahren freigegeben. Für GTA VI ist daher ebenfalls eine entsprechende Altersfreigabe zu erwarten.
Warum gibt es rund um GTA VI so einen großen Hype?
GTA VI wird seit langer Zeit von Fans sehnsüchtig erwartet. Denn seit der Veröffentlichung von GTA V sind mittlerweile 13 Jahre vergangen. Die mehrfach verschobene Veröffentlichung von GTA VI hat die Aufmerksamkeit rund um das Spiel zusätzlich verstärkt. Ein Trailer des Spiels wurde innerhalb der ersten 24 Stunden 475 Millionen Mal angesehen. Und als ein Video mit ersten Spielszenen auf Netflix gezeigt wurde, sprang es sogleich auf Platz 1 der Netflix-Charts.
Aufgrund der immensen Popularität der GTA-Reihe und des Hypes um die Veröffentlichung von GTA VI ist zu erwarten, dass das Spiel auf Plattformen wie YouTube, Twitch und TikTok eine große Rolle spielen wird. Die offene Spielwelt eignet sich dabei perfekt für Videos und kurze Clips, weil immer wieder ungewöhnliche oder spektakuläre Situationen entstehen können. Auch Streamer*innen und Influencer*innen werden in großer Zahl Content zu diesem Spiel produzieren, da alles rund um GTA VI hohe Klickzahlen verspricht.
Kinder und Jugendliche müssen GTA VI also gar nicht selbst spielen, um mit Inhalten aus dem Spiel in Kontakt zu kommen. Wahrscheinlicher ist, dass sie Ausschnitte in sozialen Netzwerken sehen, dass sie ihren Lieblingsstreamer*innen beim GTA-Spielen zusehen oder dass sie über Freund*innen mit dem Spiel in Berührung kommen.
Was fasziniert Kinder an GTA VI?
Die Veröffentlichung von GTA VI ist ein weltweites Medienphänomen. Wenn plötzlich überall über ein Spiel gesprochen wird, wollen selbstverständlich auch Kinder und Jugendliche wissen, was dahintersteckt.
Für manche Kinder ist vielleicht die Spielwelt interessant. Andere kennen GTA aus den unzähligen Videos auf Social Media oder durch Let's Plays von Streamer*innen. Manche möchten wissen, worüber ihre Freund*innen sprechen. Und für andere kann es schlicht wichtig sein, bei einem Thema mitreden zu können, das gerade alle beschäftigt.
Dass das Interesse nachvollziehbar ist, bedeutet jedoch nicht, dass Eltern dieses Interesse an GTA gutheißen oder ihren Kindern den Zugang zum Spiel ermöglichen müssen. Es kann helfen, zunächst zu verstehen, was genau das Kind an GTA interessiert. Vielleicht geht es lediglich darum, auf dem Schulhof mitreden zu können. Vielleicht möchten Kinder das Spiel auch tatsächlich selbst spielen. Die folgenden Tipps sollen Eltern dabei unterstützen, mit dem Interesse ihres Kindes umzugehen.
Was können Eltern tun, wenn sich ihr Kind für GTA VI interessiert?
Fragen Sie nach, was genau Ihr Kind an GTA interessiert und wie es damit in Kontakt gekommen ist. Hat Ihr Kind selbst Videos von GTA VI gesehen? Spielt der Lieblingsstreamer das Spiel? Sprechen die anderen Kinder in der Schule darüber? Vielleicht möchte Ihr Kind auch einfach wissen, worüber gerade alle sprechen, um selbst mitreden zu können. Informieren Sie sich gemeinsam über das Spiel. Werten Sie dabei das Interesse Ihres Kindes nicht ab. Sie können allerdings klar sagen, wenn Sie bestimmte Inhalte nicht angemessen finden.
Wenn Ihr Kind bereits einen Clip oder ein Video gesehen hat, können Sie sich diesen gemeinsam anschauen. Lassen Sie sich von Ihrem Kind erklären, was es daran interessant oder lustig findet. So bekommen Sie einen Eindruck davon, mit welchen Inhalten Ihr Kind in Kontakt kommt. Und Sie schaffen eine Gelegenheit, das Gesehene im Gespräch gemeinsam einzuordnen.
Auch wenn Sie verstehen, warum Ihr Kind sich für GTA interessiert, müssen Sie ihm nicht alle Inhalte erlauben. Wenn Sie der Meinung sind, dass GTA VI oder bestimmte Inhalte daraus für Ihr Kind nicht geeignet sind, sollten Sie das auch klar sagen. Wichtig ist dabei vor allem, dass Ihr Kind nachvollziehen kann, warum Sie diese Grenze setzen. Die Altersfreigabe der USK kann dabei ein guter Ausgangspunkt für ein Gespräch sein. Sie bietet Eltern eine nachvollziehbare Begründung dafür, warum bestimmte Spiele oder Inhalte für jüngere Kinder nicht geeignet sind.
Je nachdem, wo Ihr Kind mit unangemessenen Inhalten in Berührung gekommen ist, können Sie auch überprüfen, ob es technische Einstellungsmöglichkeiten gibt, die vor weiterer Konfrontation schützen.
Eine direkte kind- oder jugendgerechte Alternative zu GTA gibt es leider nicht, da das Spiel dafür zu deutlich von Gewalt und erwachsenen Themen geprägt ist. Wenn ein Kind sich allerdings für bestimmte Elemente des Spiels interessiert, können Eltern gemeinsam nach altersgerechten Spielen suchen, die dieses Interesse aufgreifen.
Vielleicht interessiert sich das Kind gar nicht für die Aspekte von Gewalt und Kriminalität, sondern für das freie Erkunden einer Stadt, für Autorennen und Verfolgungsjagden oder dafür, in einer offenen Spielwelt selbst entscheiden zu können, was es tut und Dinge auszuprobieren. Für solche Interessen gibt es alternative Spiele, die sich an jüngere Spieler*innen richten. Empfehlungen für altersgerechte Spiele finden Eltern beispielsweise beim Spieleratgeber NRW.