Für zu viel Medienkonsum und die damit verbundenen gesundheitlichen, sozialen und emotionalen Folgen gibt es zahlreiche Bezeichnungen. So wird beispielsweise von Medien-, Online- oder Internetsucht, aber auch von Medienabhängigkeit gesprochen. Eine lange und häufige Mediennutzung ist allerdings nicht zwangsläufig eine Sucht. Sie kann jedoch auf eine Suchtgefahr hinweisen.
In unserem neuen Eltern-Ratgeber verwenden wir u. a. den Begriff „Mediensucht“. Eine „Mediensucht“ ist allerdings bisher keine anerkannte Diagnose. In Fachkreisen wird die Verwendung des Begriffs daher mitunter kontrovers diskutiert. Wir haben uns dennoch für die Verwendung dieses Begriffs entschieden, da er in der Alltagssprache vieler Menschen verwendet und verstanden wird. In unserem Elternratgeber erklären wir ausführlich, worin der Unterschied zwischen einer krankhaften und einer lediglich intensiven Mediennutzung besteht.
Aktuelle Nutzungszahlen
Jugendliche (13-19 Jahre) sind täglich durchschnittlich 231 Minuten am Smartphone (JIM-Studie 2025). Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum zur Social-Media-Nutzung zeigt, dass rund ein Drittel der Nutzenden – bei jüngeren Personen sogar die Hälfte – suchtartige Symptome zeigt, die ihren Alltag und ihre psychische Gesundheit beeinträchtigen können. In der Längsschnittstudie DAK Gesundheit 2025/2026 zeigen je nach digitalem Dienst zwischen 4 und 6,6 Prozent der 10- bis 17-Jährigen ein krankhaftes Medienverhalten.
Wann liegt eine Sucht vor?
Eine Sucht kann vorliegen, wenn das Nutzungsverhalten nicht mehr gesteuert werden kann. Beispielsweise dann, wenn ohne Medienkonsum Entzugserscheinungen oder Stimmungsschwankungen auftreten. Auch der Verlust von Hobbys und sozialen Kontakten, Lügen über das Ausmaß der Nutzung und Fehlzeiten in der Schule können Hinweise sein. Die Online-Aktivitäten werden fortgesetzt, obwohl bereits negative Konsequenzen wie körperliche und psychische Beeinträchtigungen zu spüren sind.
Wie kann man Anzeichen für Mediensucht erkennen?
Ist Ihr Kind häufig übermüdet, weil es abends zu lange oder morgens zu früh Medien nutzt, anstatt ausreichend zu schlafen? Verzichtet Ihr Kind auf Mahlzeiten, um zu spielen, zu surfen oder zu streamen? Wirkt Ihr Kind nervös, gereizt oder depressiv, wenn es auf Social Media, digitale Spiele oder Streaming-Portale verzichten muss? Wenn Sie diese Fragen mit „Ja“ beantworten können, sollten Sie aufmerksam werden. Nutzen Sie unsere Checkliste, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, ob bei Ihrem Kind Anzeichen für eine problematische Mediennutzung vorliegen.
→ klicksafe-Checkliste: Mediensucht erkennen
So können Eltern Mediensucht vorbeugen
Es ist wichtig, dass Eltern Anzeichen bei ihren Kindern rechtzeitig wahrnehmen und im Idealfall schon vorbeugend einen gesunden Medienumgang fördern. Genau hier setzt der neue Ratgeber „Always on?! Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen“ von klicksafe an: Er bietet Orientierung, fachliche Informationen und konkrete Tipps zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. Folgende Tipps für Eltern finden Sie unter anderem in unserem neuen Ratgeber:
- Interessieren Sie sich für die digitale Welt, die Ihr Kind begeistert. Sprechen Sie regelmäßig über seine Medienerfahrungen. Wenn Sie wissen, was Ihr Kind am Bildschirm macht, können Sie es sinnvoll begleiten und Grenzen setzen. So wird auch die Faszination verständlicher, und Ihr Kind fühlt sich ernst genommen.
- Klären Sie über suchtfördernde Eigenschaften in den digitalen Medien auf. Was bedeuten Lootboxen, Algorithmen und Streaks? Besprechen Sie, welche manipulativen Mechanismen eingesetzt werden, um Nutzer*innen so lange wie möglich zu binden.
- Als Eltern haben Sie eine Vorbildfunktion. Überprüfen Sie deshalb Ihr eigenes Medienverhalten und gehen Sie mit gutem Beispiel voran.
- Schaffen Sie ein respektvolles familiäres Umfeld, in dem sich Ihr Kind wertgeschätzt fühlt. Das stärkt das Selbstvertrauen Ihres Kindes und ermutigt es, sich Ihnen im Problemfall anzuvertrauen.
- Digitale Auszeiten sind wichtig. Sorgen Sie für Anregung und Alternativen zu Smartphone, Spielekonsole und Co., zum Beispiel in Form gemeinsamer Unternehmungen oder Freizeitaktivitäten. Die Essenszeiten sollten medienfreie Zeiten sein.
- Um die Effekte der manipulativen Designstrategien auf Ihr Kind etwas abzumildern, deaktivieren Sie in den Apps die Push-Benachrichtigungen und schränken Sie die Autoplay-Funktion ein, um den „Endlos-Effekt“ der Videos zu reduzieren. Dies können Sie zumeist in den Einstellungen der jeweiligen Plattform vornehmen. Anleitungen dazu finden Sie auf www.medien-kindersicher.de.
- Vereinbaren Sie gemeinsam feste Nutzungszeiten. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie ihm bei der Einhaltung dieser getroffenen Absprachen vertrauen.
- Viele Jugendschutzprogramme bieten die Möglichkeit, die Nutzung von Apps auf bestimmte Zeitfenster zu beschränken. Außerdem bieten sie in der Regel auch eine Übersicht über die tägliche oder wöchentliche Nutzung. In Absprache mit dem Kind können diese technischen Mittel dabei helfen, die vereinbarten Nutzungszeiten einzuhalten und an Pausen zu erinnern. Weitere Informationen finden Sie in unserem Themenbereich zu Jugendschutzprogrammen.