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03.06.2026 | Medienkompetenz

Richtig reagieren auf verstörende Gewaltdarstellung im Netz

Schockierende, grausame und ekelige Bilder und Videos finden im Internet leicht Verbreitung. Das Phänomen an sich ist nicht neu. Allerdings gibt es heute mehr leicht verfügbare Verbreitungswege für diese Darstellungen. Und auch die Gefahr, ungewollt mit diesen Bildern konfrontiert zu werden, hat sich durch Social-Media-Plattformen und Messengerdienste verändert und vermutlich erhöht. Was müssen erwachsene Bezugspersonen zu diesem Thema wissen und wie können sie Kindern und Jugendlichen helfen?

Kinder und Jugendliche können auf unterschiedliche Weise mit drastischen Gewaltinhalten konfrontiert werden. Zunächst ist festzuhalten, dass drastische Gewaltdarstellungen und Schockinhalte auf den allermeisten großen Plattformen verboten sind. Dadurch ist eine Verbreitung dieser Inhalte zwar nicht absolut ausgeschlossen. In der Regel werden sie jedoch schnell erkannt und gelöscht.

Dennoch gibt es einige Möglichkeiten, wie Kinder in Sozialen Medien auf solche Inhalte aufmerksam gemacht werden. Ein typisches Vorgehen ist beispielsweise, dass nur einzelne Teile eines Videos gezeigt werden, während der drastische Teil ausgespart bleibt.

Auch beliebt sind vermeintliche Warnungen vor bestimmten Aufnahmen. Ein Beispiel hierfür sind die sogenannten „Don't google …“-Challenges. Dabei wird eindringlich davor gewarnt, bestimmte Suchbegriffe in eine Suchmaschine oder die Bildersuche einzugeben. Beispielsweise den Titel eines bekannten Schockvideos.

Zu vielen einschlägigen Videos gibt es auch sogenannte Reactions. Dabei filmen sich Menschen selbst, wie sie sich das fragliche Video anschauen. Zu sehen ist dabei nicht der drastische Inhalt selbst, sondern nur die angeekelte oder schockierte Reaktion der Person, die sich filmt.

In all diesen Fällen wäre es für die Plattformen schwierig, die Inhalte zu löschen. Denn sie enthalten keine verbotenen Darstellungen, sodass es keinen Grund gibt, sie zu entfernen. Dennoch führt auch diese Art der Auseinandersetzung dazu, dass verstörende Inhalte weiterverbreitet werden. Denn eindringliche Warnungen wecken selbstverständlich auch Neugierde. Teilweise werden Links zu den Videos gleich mitgeliefert oder sie lassen sich leicht in den Kommentaren finden. Wer eine Suchmaschine bedienen kann, findet innerhalb von Sekunden viele Seiten, die auf drastische Inhalte spezialisiert sind und auf denen sich die einschlägigen Aufnahmen anschauen lassen.

Warum konsumieren Kinder und Jugendliche solche Inhalte?

  • Lust am Verbotenen: Die schockierenden Bilder und Videos lassen den Adrenalinspiegel steigen. Denn Sterben und Tod sind nach wie vor gesellschaftliche Tabuthemen. Beim Betrachten solcher Inhalte loten Kinder und Jugendliche auch ihre eigenen Grenzen aus, was ein normaler Aspekt des Erwachsenwerdens ist.
  • Sozialer Aspekt: Der gemeinsame Konsum dieser Inhalte kann die Gruppenzusammengehörigkeit stärken. Sich gemeinsam an schockierende Darstellungen heranzutrauen, kann als geteiltes Abenteuer erlebt werden.
  • Traumabewältigung: Kinder und Jugendliche, die vor kriegerischen Konflikten geflohen sind, versuchen durch diese Inhalte, ihre eigenen traumatischen Erlebnisse zu verstehen und zu verarbeiten.
  • Test der Selbstkontrolle: Einige Personen erhoffen sich durch die Konfrontation mit grausamen Medieninhalten eine Art Selbstvergewisserung der Kontrolle über die eigenen Emotionen. 

Wie können erwachsene Bezugspersonen unterstützen?

Problematische und verstörende Inhalte finden sich leider immer wieder im Internet. Einen absoluten Schutz vor Inhalten, die für Kinder und Jugendliche ungeeignet sind, gibt es nicht. Setzen Sie daher auf Aufklärung und ein offenes Gespräch, um junge Nutzer*innen beim Umgang mit solch verstörenden Bildern zu unterstützen.

Wenn sich Kinder und Jugendliche von sich aus an Erwachsene wenden, haben sie Gesprächsbedarf. Lassen Sie das Kind in so einem Fall erst einmal erzählen und versuchen Sie, sich in seine Lage zu versetzen – ganz ohne zu urteilen. Zeigen Sie Interesse an den Motiven des Kindes, fragen Sie nach und überlegen Sie gemeinsam, was das Kind tun könnte. Lassen Sie das Kind auch wissen, dass Sie es gut finden, dass es mit solchen Problemen zu Ihnen kommt. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es sich auch in Zukunft an Sie wenden wird.

Konkrete Tipps

  • Vermeiden Sie Vorwürfe: Achten Sie im Gespräch auf eine offene Haltung und verurteilen Sie das Kind nicht vorschnell. Sie können durchaus vermitteln, dass Sie die konsumierten Inhalte nicht gutheißen, sollten das Kind jedoch nicht für sein Verhalten ausschimpfen oder abwerten.
  • Zeigen Sie konkrete Handlungsmöglichkeiten auf: Besprechen Sie, welche Strategien es gibt, um sich gegen verstörende Inhalte zu wehren. Zum Beispiel Fotos und Videos löschen, falls man sie geschickt bekommen hat. Drastische Inhalte können in den Social-Media-Diensten oder bei jugendschutz.net und www.internet-beschwerdestelle.de gemeldet werden. Ebenso kann man Accounts melden und blockieren, die diese Inhalte verbreiten.
  • Stärken Sie das Selbstbewusstsein: Manchmal verbreiten sich problematische Websites oder einzelne Inhalte, wenn Kinder oder Jugendliche einander im Rahmen von Challenges und Mutproben herausfordern („Traust du dich, das anzuschauen?“). Vermitteln Sie dem Kind, dass es auch mutig ist, „Nein“ zu sagen und dem Gruppendruck standzuhalten.
  • Unterstützen Sie bei Angst und Verunsicherung: Wenn das Kind aufgrund der konsumierten Inhalte zum Beispiel nicht schlafen kann, versuchen Sie vor allem, es zu trösten und ihm zu vermitteln, dass es sicher ist. Ist das Kind bereits älter, können Sie gemeinsam überlegen, welche Strategien es gibt, um wieder zur Ruhe zu kommen – zum Beispiel an etwas Schönes zu denken, sich lustige Dinge anzuschauen, Meditation und Entspannungsübungen zu machen, beruhigende Musik zu hören etc.
  • Machen Sie Geräte kindersicher: Es gibt keinen absoluten technischen Schutz vor unangemessenen Inhalten. Dennoch können Jugendschutzprogramme eine gute Ergänzung zur Medienerziehung sein. Wenn der Jugendschutzfilter aktiviert ist, sind beispielsweise einschlägig bekannte Webseiten mit Gewaltinhalten nicht mehr aufrufbar. Anleitungen für sicheren Einstellungen finden Sie auf www.medien-kindersicher.de und Informationen zu Jugendschutzprogrammen bieten wir in unserem Themenbereich an.
  • Vermitteln Sie eine klare Haltung: Grausame Inhalte sind aus mehrerlei Gründen hochproblematisch. Verwundete, sterbende oder bereits tote Menschen zur Schau zu stellen, kann ihre Menschenwürde verletzen. Außerdem können solche Aufnahmen verbotene Gewaltdarstellungen enthalten und für Kinder und Jugendliche entwicklungsbeeinträchtigend sein. Daher sollten diese Darstellungen keinesfalls weiterverbreitet werden. Auch nicht mit vermeintlich guten Absichten, wie zum Beispiel als Warnung oder um auf Missstände aufmerksam zu machen.
  • Machen Sie anonyme Beratungsangebote bekannt: Nicht über alle Themen möchten Kinder mit den Eltern sprechen. Sie können Kinder dabei unterstützen, auch in diesem Fall Hilfe zu finden, indem Sie anonyme Beratungsangebote wie www.nummergegenkummer.de oder www.juuuport.de bei ihnen bekannt machen. Übrigens gibt es bei der Nummer gegen Kummer auch Beratung für Eltern.

Für die Schule und die freie Jugendarbeit

In Projekt 6 unseres Unterrichtsmaterials App+on wird der Umgang mit Gewaltinhalten thematisiert. Unter dem Titel „Brutale Videos – Wo ist das Löschdings?“ tauschen die Jugendlichen sich über ihre Erfahrungen mit grausamen Darstellungen im Internet aus. Sie lernen Verhaltensmöglichkeiten kennen und erstellen ein Regelplakat für den Klassenchat. Das Unterrichtsmaterial können Sie bestellen oder auch kostenlos herunterladen. Die dazugehörigen Videos aus der Sendung App+on sind in der ZDF Mediathek abrufbar.

Unser Artikel beruht in Teilen auf dem Text „Problematische Website zeigt sterbende Menschen“. Wir bedanken uns ganz herzlich bei unseren Kolleg*innen von www.saferinternet.at für ihre Unterstützung!


Quelle: klicksafe (Link zu externer Webseite)

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