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11.09.2025 | Medienkompetenz

So schützen Sie Kinder vor Cybergrooming

Immer wieder zeigen Umfragen, dass viele Kinder in Deutschland von sexueller Gewalt im Internet betroffen sind. Auch durch Berichterstattung wie die RTL-Sendung „Angriff auf unsere Kinder“, in der das Ausmaß von Cybergrooming deutlich wird, werden viele Erwachsene aufgeschreckt. Die gute Nachricht ist: Durch Aufklärung, sichere Einstellungen und klare Regeln lässt sich das Risiko senken, dass Kinder Opfer sexueller Gewalt im Internet werden. Wir erklären, was Eltern und pädagogische Fachkräfte tun können, um Kinder stark zu machen gegen Cybergrooming.

Cybergrooming ist eine Straftat mit einem hohen Dunkelfeld. Zwar werden jedes Jahr mehrere tausend Fälle in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst. Allerdings werden die meisten Taten gar nicht erst angezeigt. In einer Befragung von Kindern und Jugendlichen zum Thema Cybergrooming gaben lediglich 7 % der Betroffenen an, sich mit ihrem Problem an die Polizei gewandt zu haben. Dabei war aber nahezu jedes vierte Kind (24 %) bereits von einer Form von Cybergrooming betroffen. Beispielsweise durch Aufforderungen zu einem Treffen oder dazu, (Nackt-)Bilder von sich zu schicken, oder durch das Zusenden von Nacktaufnahmen durch ihre Chatpartner*innen.

Kurz erklärt: Was ist Cybergrooming?

Cybergrooming bezeichnet die gezielte Anbahnung sexueller Kontakte zu Kindern und Jugendlichen im Internet. Beliebte Plattformen wie Instagram, TikTok und Snapchat sowie Online-Spiele wie Fortnite werden als „Anbahnungsplattformen“ genutzt. Oft versuchen die Täter*innen, die Heranwachsenden in zunächst harmlos wirkende Gespräche zu verwickeln. Sobald der Kontakt hergestellt ist, wird die Kommunikation auf privateren Kanälen wie WhatsApp fortgeführt. Dort findet schließlich der sexuelle Missbrauch statt oder er wird intensiviert. Die Kinder und Jugendlichen erhalten beispielsweise intime oder pornografische Aufnahmen. Sie sollen selbst Nacktfotos oder Videos von sich senden. Manchmal werden sie auch aufgefordert, sexuelle Handlungen an sich oder Dritten vor der Kamera vorzunehmen. In einigen Fällen werden sie sogar aufgefordert, sich mit der Person zu treffen.

So schützen Sie Ihre Kinder vor Cybergrooming

Sexuelle Gewalt im Internet ist heute für viele Kinder und Jugendliche Realität. Sie bewegen sich immer früher selbstständig in sozialen Netzwerken und Online-Spielen. Anders als offline ist es für sie normal, auch mit Personen in Kontakt zu kommen, die sie nicht persönlich kennen. Deshalb müssen Heranwachsende wissen, wie sie Cybergrooming erkennen und sich dagegen wehren können.

  • Bleiben Sie im regelmäßigen Austausch mit Ihrem Kind zu dessen Medienerfahrungen. Wie Sie in gute Gespräche kommen können, zeigen wir in diesem Artikel.
  • Kinder stoßen im Internet schnell auf ungeeignete Inhalte, mit denen sie noch nicht umgehen können. Geben Sie Ihrem Kind deshalb je nach Alter und Entwicklungsstand einen Zugang zu altersgerechten Surfräumen.
  • Nehmen Sie Sicherheitseinstellungen an Geräten vor, die Ihr Kind nutzt. Kostenlose Jugendschutzprogramme können dabei helfen, dass Ihr Kind nur solche Online-Angebote nutzen kann, die je nach Alter auch geeignet sind. Mit älteren Kindern sollten Sie zudem Regeln vereinbaren, welche Dienste wie und in welchem Maße genutzt werden können.
  • Informieren Sie sich genau über Online-Dienste und Plattformen, die Ihr Kind nutzen möchte. Lernen Sie die jeweiligen Schutzmaßnahmen dort kennen und stellen Sie diese mit Ihrem Kind zusammen ein (z.B. Privatsphäre-Einstellungen). Zeigen Sie die Blockier- und Meldefunktionen.
  • Ihre Kinder sollten wissen, welche Risiken mit ihrer Mediennutzung einhergehen können. Klären Sie über ungewollte Kontaktaufnahmen, sexuelle Belästigungen sowie sexuellen Missbrauch im Internet auf. Verängstigen Sie Ihr Kind dabei nicht, sondern unterstützen und stärken Sie es darin:
    • eigene Grenzen zu setzen, wenn es sich online unwohl fühlt,
    • Warnsignale zu erkennen und ungewollte Kontakte abbrechen und melden zu können,
    • sich Hilfe zu holen, wenn es sexuelle Gewalt im Internet erlebt hat.
  • Wenn Ihr Kind von sexueller Gewalt betroffen ist und Ihnen davon erzählt ist es wichtig, Ruhe zu bewahren. Hören Sie dem Kind aufmerksam zu und treffen Sie die richtigen Maßnahmen wie z.b. rechtssichere Screenshots oder Aufnahmen sichern für die Beweisaufnahme. Achtung: Wenn auch intime Aufnahmen von Kindern unter 14 Jahren verschickt wurden, informieren Sie sich zunächst bei der Polizei, wie Sie bei der Beweissicherung vorgehen sollen, um sich nicht selbst strafbar zu machen. Suchen Sie sich juristische Beratung, beispielsweise bei HateAid und psychologische Hilfe zum Beispiel beim Hilfe-Portal sexueller Missbrauch. Sie können auch Anzeige bei der Polizei erstatten.
    Weitere Hilfe- und Meldestellen haben wir weiter unten für Sie aufgeführt.

klicksafe-Materialien zum Thema Cybergrooming

Unsere Materialien für Schule und außerschulische Jugendarbeit bietet pädagogischen Fachkräften umfassende Informationen zum Thema Cybergrooming. Neben diesen ausführlichen Sachinformationen enthalten die Materialien auch Praxisprojekte für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Bitte beachten Sie als Lehrkräfte auch unsere Materialien für Jugendliche und für Eltern (siehe unten) zu dem Thema. Diese können bei uns bestellt und an die Schüler*innen oder die Eltern verteilt werden.

Für Eltern

Wie kann ich mein Kind stark machen gegen Cybergrooming? Welche technischen Schutzmaßnahmen gibt es und wie führe ich das Gespräch mit meinem Kind? Unsere Materialien helfen Ihnen als Eltern und Erziehungsberechtigte, Ihr Kind bestmöglich zu schützen.

Für Jugendliche

Wie können sich Kinder und Jugendliche vor Cybergrooming schützen und dagegen wehren? In Kooperation mit der Online-Beratungsplattform JUUUPORT hat klicksafe dazu Broschüren und Videos für Jugendliche entwickelt.

Hier finden Sie Hilfe - Beratung für Betroffene und Angehörige

  • Das Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch ist ein Angebot der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs und N.I.N.A. e.V.. Es bietet viele Informationen zum Thema und unterstützt dabei, Hilfe- und Beratungsangebote vor Ort zu finden. Außerdem bietet es kostenlose und anonyme telefonische Beratung (auch mehrsprachig und in Gebärdensprache) sowie Online-Beratung. Damit ist es eine kostenfreie und anonyme Anlaufstelle für Betroffene von sexueller Gewalt, für Angehörige sowie Personen aus dem sozialen Umfeld von Kindern, für Fachkräfte und für alle Interessierten.
    Telefon: 0800 - 22 55 530, Mo.,Mi. & Fr.: 9-14 Uhr; Di. & Do.: 15-20 Uhr
    Online-Beratungwww.schreib-ollie.de
  • Nummer gegen Kummer e.V. bietet anonyme und kostenfreie telefonische Beratung für Kinder, Jugendliche und Eltern an. Kinder und Jugendliche können sich außerdem rund um die Uhr an die em@il-Beratung der „Nummer gegen Kummer“ wenden.
    Kinder- und Jugendtelefon Tel.: 116 111, Mo bis Sa von 14-20 Uhr
    Elterntelefon Tel.: 0800 – 111 0 550, Mo bis Fr von  9-17 Uhr, dienstags und donnerstags bis 19 Uhr
  • JUUUPORT ist eine bundesweite Beratungsplattform, auf der sich Jugendliche gegenseitig helfen, wenn sie Probleme im oder mit dem Internet haben. Ob Cybermobbing, Abzocke, Datensicherheit oder Technik – zu allen Web-Themen können Jugendliche auf www.juuuport.de Fragen stellen.
  • Wer von Cybergrooming betroffen ist, kann diese Übergriffe bei ZEBRA melden. Die Meldung wird von der Medienanstalt NRW überprüft und an die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen weitergeleitet. Für pädagogische Fachkräfte gibt es ein Handout zum Meldeformular.

Quelle: klicksafe (Link zu externer Webseite)

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