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28.03.2024 | Medienkompetenz

Was sollten Eltern bei Virtual-Reality-Spielen beachten?

Das Eintauchen in die Virtuelle Realität (VR) ist nicht mehr nur etwas für Technik-Begeisterte mit viel Geld. VR-Brillen sind mittlerweile auch zu erschwinglichen Preisen zu haben. Und das Angebot an Virtual-Reality-Spielen wächst stetig. Momentan sind VR-Brillen in deutschen Haushalten zwar noch nicht weit verbreitet. Dies könnte sich in der näheren Zukunft jedoch ändern. Wir fassen die wichtigsten Informationen zum Thema VR zusammen. Und wir informieren Eltern, deren Kinder schon heute VR nutzen.

Was ist Virtual Reality?

Der Begriff Virtual Reality bezeichnet das Eintauchen in eine vom Computer erstellte Umgebung. In der Regel wird diese virtuell erzeugte Realität über eine VR-Brille angesehen. Dadurch, dass der Display sich direkt vor den Augen befindet, ist der physische Raum für die Spieler*innen nicht mehr sichtbar. VR-Brillen sind mit Sensoren ausgestattet, die die Bewegung des Kopfes erfassen. Wendet die spielende Person ihren Kopf nach links, schweift auch der Blick in der virtuellen Realität in diese Richtung. Dadurch entsteht bei der spielenden Person das Gefühl, sich wirklich in dieser künstlichen Umgebung zu befinden. Zu den VR-Brillen gehören in der Regel auch Controller, die in der Hand gehalten werden. Auch diese sind mit Sensoren ausgestattet. Dadurch lassen sich virtuelle Hände und Arme darstellen, die sich genauso bewegen, wie die spielende Person es mit ihren echten Händen und Armen vorgibt.

Was unterscheidet VR vom regulären Gaming?

VR-Gaming unterscheidet sich vor allem in zwei Aspekten vom herkömmlichen Gaming: Immersion und Embodiment.

Das Wort Immersion beschreibt das Gefühl, komplett in eine Welt einzutauchen. Immersion können Menschen nicht nur beim VR-Gaming erfahren. Auch ein spannendes Buch, eine mitreißende Fernsehserie oder ein fesselndes Videospiel können immersiv sein. VR-Spiele wirken allerdings besonders stark, weil unsere echte Umgebung komplett ausgeblendet wird. Als VR-Spielende können wir den Blick nicht einfach zwischendurch vom Bildschirm abwenden. Hinzu kommt, dass die Spielenden in der Regel auch Kopfhörer tragen, sodass sie auch akustisch in die virtuelle Welt abtauchen können.

Mit Embodiment beschreibt man das Gefühl, einen virtuellen Körper als den eigenen Körper zu empfinden. In den meisten VR-Spielen schaut man in der Ich-Perspektive auf die virtuelle Welt. Viele Spiele stellen außerdem virtuelle Hände und Arme dar, die man mit den Bewegungen der echten Hände und Arme steuert. Diese Darstellung ist unserer Wahrnehmung im Alltag nachempfunden: Wir schauen durch unsere Augen auf die Welt und sehen unsere Hände vor uns mit unserer Umwelt interagieren. Durch diese Ähnlichkeit entsteht bei den Spielenden das Gefühl, sie befänden sich tatsächlich in dem virtuellen Körper. Dieser Effekt ist auch unabhängig von Virtual Reality vielfach erforscht. So empfinden zum Beispiel Menschen, die Prothesen tragen, diese als vollwertigen Teil ihres Körpers.

Wie verbreitet ist VR-Gaming in Deutschland?

Der Verband der deutschen Games Branche hat im November 2023 gefragt, wie viele Menschen in Deutschland bereits ein VR-Headset besitzen. 3,7 Millionen VR-Brillen gibt es bereits in deutschen Haushalten. Und weitere 4,7 Millionen Menschen planen sich eine VR-Brille anzuschaffen.
Im Vergleich zu den anderen Möglichkeiten, Videospiele zu konsumieren, ist VR damit bisher eher ein Nischenprodukt. Am PC spielen 13 Millionen, an der Konsole 19 Millionen und auf dem Smartphone sogar 23 Millionen Menschen in Deutschland (Quelle: Jahresreport der deutschen Games-Branche 2023).

Welche VR-Spiele für Kinder gibt es?

Der Markt an VR-Spielen ist mittlerweile sehr divers. In nahezu jedem bekannten Videospiel-Genre gibt es auch VR-Spiele. Dazu gehören zum Beispiel Rennspiele, Rollenspiele oder GeschicklichkeitsspieleDiese Liste von VR-Spielen enthält zum Zeitpunkt der Erstellung des Artikels über 4000 Einträge und vermittelt einen Eindruck der großen Bandbreite an VR-Spielen.

Spieler*innen können im Rennspiel am Steuer eines Formel-1-Wagens sitzen, im Horrorspiel von einem Mörder durch ein verlassenes Anwesen gejagt werden oder im Fitnessspiel an einem virtuellen Box-Workout teilnehmen. Diese Beispiele zeigen, dass man nicht pauschal sagen kann, ob VR-Spiele für Kinder geeignet sind oder nicht. VR-Spiele, die sich dezidiert an Kinder richten, sind kaum vorhanden. Sucht man im Internet nach passenden VR-Spielen für Kinder, werden in der Regel Spiele empfohlen, die eine kindgerechte Grafik aufweisen und frei von problematischen Inhalten wie Gewaltdarstellung sind. Oder Spiele, die bekannte Spielprinzipien in VR darstellen, wie zum Beispiel eine Schach-Simulation. Hier ist allerdings wichtig: Nur weil ein Spiel keine Gewalt enthält und kindgerecht aussieht, heißt das nicht automatisch, dass das Spiel auch für Kinder geeignet ist. Eltern sollten sich bei der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) über die Altersfreigabe des Spiels informieren. Beim Spieleratgeber-NRW finden Eltern pädagogische Einschätzungen zu Videospielen. Idealerweise sollten Eltern ein Spiel zunächst selbst ausprobieren, um zu beurteilen, ob es für ihr Kind passend ist.

Ist VR-Gaming problematisch für Kinder?

VR-Brillen sind momentan vor allem für erwachsene Nutzer*innen konzipiert. Das bedeutet, dass einige VR-Brillen von jüngeren Kindern schlecht getragen werden können, weil sie ihnen zu groß sind. Die VR-Brille Meta Quest 3 wird zum Beispiel laut dem Hersteller erst ab 10 Jahren erlaubt. Zwischen 10 und 12 Jahren können Eltern ein von ihnen verwaltetes Konto für ihr Kind erstellen. Ab 13 Jahren dürfen Kinder die Meta Quest 3 auch eigenständig nutzen. Sony gibt im Handbuch zur Playstation VR2 den Hinweis, dass die VR-Brille nicht für Kinder unter 12 Jahren geeignet ist.

Da VR-Brillen noch keine große Verbreitung gefunden haben und auch eher selten von Kindern genutzt werden, fehlt es noch an Erfahrungswerten. Bisher lässt sich nicht feststellen, dass VR-Gaming signifikante negative Auswirkungen auf Kinder hat. Es ist jedoch zu bedenken, dass es mit den Phänomenen der Immersion und des Embodiments (siehe „Was unterscheidet VR vom regulären Gaming?“ oben) zwei Faktoren gibt, die in dieser Form nur beim VR-Gaming auftreten. Hier gibt es bisher weder genug Erfahrung aus der Praxis noch aus der Forschung, um die genauen Auswirkungen auf Kinder absehen zu können. Zumindest deutet sich aber bisher nicht an, dass Kinder durch altersangemessene VR-Inhalte überfordert sind oder dass sie nicht zwischen Wirklichkeit und virtueller Welt unterscheiden können.

In unserem Podcast „Wie wirkt Virtual Reality auf Kinder?“ sprechen wir mit Dr. Anna Felnhofer. Sie ist Wissenschaftlerin und Klinische Psychologin an der MedUni Wien. In ihrer therapeutischen Arbeit mit Kindern setzt sie Virtual Reality ein. Sie berichtet uns aus der Praxis, wie Kinder auf VR-Inhalte reagieren.

Was sollten Eltern bei VR-Spielen beachten?

  • Informieren Sie sich darüber, ob es für Ihre VR-Brille eine Altersfreigabe des Herstellers gibt. Diese Information finden Sie zum Beispiel auf der Webseite des Herstellers oder in der mitgelieferten Anleitung.
  • Beachten Sie die Freigaben der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Diese sind gut sichtbar auf den Verpackungen der Spiele angebracht und werden auch in den meisten Online-Shops angezeigt. Alle getesteten Spiele finden Sie auch in der Datenbank auf der Webseite der USK.
  • Achten Sie darauf, dass ihr Kind beim VR-Gaming genügend Platz hat und es zum Beispiel keine Stolperfallen in der Umgebung gibt. Je nach Spiel kann es sein, dass die spielende Person sich bewegt und dabei nicht sehen kann, wo Hindernisse stehen.
  • Begleiten Sie ihr Kind beim Gaming und erkundigen Sie sich nach dem Spiel, wie es ihrem Kind geht. Bei manchen Menschen kann VR zu Übelkeit, Schwindel oder Kopfschmerzen führen. Sollte das der Fall sein, sollte das Spiel abgebrochen werden.
  • Die Hersteller von VR-Brillen empfehlen, regelmäßige Pausen beim Spielen einzulegen. Achten Sie darauf, dass ihr Kind nicht zu lange am Stück spielt.
  • Auch bei VR-Spielen gibt es die für Videospiele typischen Risiken. Dazu zählen unangemessene Inhalte, Interaktionsrisiken wie Cybergrooming oder Cybermobbing und Kostenfallen durch In-Game-Käufe. In unseremThemenbereich Digitale Spiele und in unserem Flyer „Was spielt mein Kind da eigentlich?“ finden Sie Informationen zu diesen Themen.

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[info]@klicksafe.de


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